Taekwondo

admin am 23. Januar, 2007

Taekwondo

Taekwondo (auch Tae-Kwon-Do oder Taekwon-Do) ist ein koreanischer Kampfsport und steht f├╝r Fu├č (Tae), Faust (Kwon) und Weg (Do, hier ist der Weg des Geistes gemeint). Obwohl Taekwondo f├╝r den laienhaften Betrachter gro├če ├ähnlichkeiten mit anderen asiatischen Kampfsportarten aufweist, unterscheidet es sich doch in einigen wesentlichen Punkten von diesen. So ist die Taekwondo-Technik sehr auf Schnelligkeit und Dynamik ausgelegt, was nicht zuletzt durch den Wettkampf bedingt ist. Im Taekwondo dominieren Fu├čtechniken deutlicher als in vergleichbaren Kampfsportarten.
Inhaltsverzeichnis
[Verbergen]

Begriff und Inhalt

Der Begriff Taekwondo tauchte erstmals 1955 auf und wurde von General Choi Hong-hi (ITF) entwickelt. Weltweit gibt es zwei Taekwondo-Stile (ITF und WTF), die sich haupts├Ąchlich in der Formaus├╝bung und im sportlichen Kampf unterscheiden. Taekwondo entwickelte sich w├Ąhrend der japanischen Besatzung in Korea und wurde durch das japanische Karate mit beeinflusst. Nat├╝rlich gab es lange vor der Einf├╝hrung des Karate waffenlose Kampfk├╝nste in mehr oder weniger systematischer Form in Korea. Ihr urs├Ąchlicher Einfluss auf die sp├Ątere Kampfart Taekwondo darf aber mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Erst sp├Ąter, als sich verschiedene Taekwondo-Unterstile herauszukristallisieren begannen, wurden einige Elemente im Nachhinein hinzu erg├Ąnzt, wie etwa das im Taekgyeon entsprechend vorhandene Verbot des olympischen Wettkampfsystems, mit der Faust den Kopf zu treffen. Das Wort Taekwondo setzt sich aus den folgenden drei sinokoreanischen Silben zusammen:
Tae = „Tritt“ (steht f├╝r alle Fu├čtechniken),
Kwon = „Faust“ (steht f├╝r alle Hand- und Armtechniken) und
Do = „Weg“ (wie im Deutschen auch als Methode oder Zielstreben zu verstehen, mit dem chin. Begriff TAO in engem Zusammenhang ).
Sportler bei einem Bruchtest
Sportler bei einem Bruchtest

Taekwondo als moderner Sport unterteilt sich heute in die einzelnen Disziplinen:

1. Formenlauf (Teul, Hyeong, Pumsae (Taegeuk/Palgue)): festgelegte Techniken werden in vorgegebener Reihenfolge durchgef├╝hrt.
2. Selbstverteidigung (Hosinsul): Selbstverteidigung gegen einen/mehrere unbewaffnete oder bewaffnete Gegner.
3. Einschrittkampf (Hanbon Kirugi, Ilbo-Matsoki, Ilbo-Taeryeon): Ein Schaukampf mit festgelegter Technikenreihenfolge gegen einen Gegner. Neben dem Einschrittkampf gibt es auch noch den Zwei- und Dreischrittkampf (Ibo- bzw. Sambo-Matsoki, Ibo- bzw. Sambo-Taeryeon), die aber eher untergeordnete Bedeutung haben.
4. Bruchtest (Gyeokpa): Zerst├Âren von Holzbrettern, Ziegeln oder sonstigen Materialien mittels Taekwondo-Techniken.
5. Freikampf (Daeryeon, Matsoki oder Gyeorugi): abgesprochener oder freier Kampf in verschiedenen Kombinationen.
6. Wettkampf (Chayu Matsoki): Leicht-, Semi- oder Vollkontaktkampf gegen einen Gegner.
7. Grundschule (Gibon Yeonseup), Gymnastik (Dosoo Dallyon) und Theorie (Ilon) sollten aber auch st├Ąndige Trainingsbestandteile sein.

Durch kontinuierliches Training und bewusste Aus├╝bung dieser Disziplinen sollen die Taekwondoins, so werden alle Taekwondo-Betreibenden genannt, ihren Geist schulen. General Choi Hong-hi, der Begr├╝nder des urspr├╝nglichen Taekwondos, hat dies in f├╝nf zu erreichenden Zielen zusammengefasst, die als ÔÇ×Grunds├Ątze des TaekwondoÔÇť gelten und wie folgt lauten:

1. Ye-Ui, die H├Âflichkeit
2. Yom-Chi, die Integrit├Ąt
3. In-Nae, das Durchhalteverm├Âgen
4. Guk-Gi, die Selbstdisziplin
5. Beakjul-bool-gul, die Unbezwingbarkeit

Um diese Ziele zu erreichen, stellte Choi Hong-hi einen Eid auf, dem sich alle Taekwondo-Sch├╝ler verpflichtet f├╝hlen sollen:

* Ich verpflichte mich, die Grunds├Ątze des Taekwondo einzuhalten
* Ich verpflichte mich, meinen Trainer und alle H├Âhergestellten zu achten
* Ich verpflichte mich, Taekwondo nie zu missbrauchen
* Ich verpflichte mich, mich f├╝r Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen
* Ich verpflichte mich, bei der Schaffung einer friedlicheren Welt mitzuarbeiten

Um mit einer Taekwondo-Technik die n├Âtige Kraft und die damit verbundene durchschlagende Wirkung zu erzielen, bedient sich der Taekwondoin bestimmter physikalischer Gesetzm├Ą├čigkeiten. Das Wissen um diese physikalischen Gesetze nannte Choi Hong-hi ÔÇ×Theorie der KraftÔÇť. Sie besteht aus:

* Konzentration: Die gesamte Kraft genau im Moment des Schlages auf eine m├Âglichst kleine Fl├Ąche wirken zu lassen. Gro├če Fl├Ąche = kleine Kraftwirkung, kleine Fl├Ąche = gro├če Kraftwirkung.
* Reaktionskraft: Gegnerische Kraft plus eigene Kraft = Kraft, die auf den Gegner einwirkt.
* Gleichgewicht: Angriff wird wirksamer und Abwehr wird stabiler, wenn der K├Ârper sich im Gleichgewicht befindet.
* Atmungskontrolle: Eigene Schlagwirkung und Schutz des eigenen K├Ârpers erh├Âhen sich durch Anspannen der Bauchmuskeln (Ausatmen und Pressen) im Moment des Schlages.
* Schnelligkeit: Je gr├Â├čer die Geschwindigkeit, desto gr├Â├čer ist die wirksame Kraft. In physikalische Formeln ausgedr├╝ckt: Kraft = Masse ├Ś Beschleunigung, wobei Beschleunigung = Geschwindigkeits├Ąnderung pro Zeitintervall.
* Masse: Je gr├Â├čer die am Schlag beteiligte Masse (H├╝fte und gesamter K├Ârper, nicht nur das schlagende/tretende K├Ârperteil), desto gr├Â├čer die wirksame Kraft. Kraft = Masse ├Ś Beschleunigung.

Geschichte und Entwicklung

Wie in vielen L├Ąndern, aus denen Kampfsportarten hervorgegangen sind, gibt es auch in Korea eine Jahrhunderte alte Tradition an Kampfk├╝nsten. Es ist jedoch kein direkter urs├Ąchlicher Einfluss von ihnen auf die Entstehung und anf├Ąngliche Entwicklung dessen, was sp├Ąter Taekwondo werden sollte, festzustellen.

Die gelegentlich anzutreffende Behauptung, einer der propagierten Vorl├Ąufer des Taekwondo stamme bereits vom legend├Ąren Staatengr├╝nder Dangun ab, Taekwondo sei somit letztlich ├╝ber 4000 Jahre alt und somit die ├Ąlteste Kampfkunst Ostasiens, entbehrt jeder historischen Grundlage. Sie darf vielmehr als Ausdruck eines Unterlegenheitsgef├╝hls patriotischer koreanischer Kampfk├╝nstler insbesondere Chinas und Japans gegen├╝ber verstanden werden, das viel zu oft anzutreffen ist. Dazu gibt es jedoch keinen Grund, denn Korea kann auf eine etwa anderthalb Jahrtausende alte eigenst├Ąndige Kampfkunst-Tradition zur├╝ck blicken, die sich hinter denen anderer ostasiatischer Nationen nicht zu verstecken braucht. Man sollte diese Tradition der Ehrlichkeit halber aber nicht k├╝nstlich mit der Entwicklung des Taekwondo vermischen.

Traditionelle koreanische Kampfk├╝nste

Zur Zeit der Morgend├Ąmmerung der Kampfk├╝nste in Ostasien bestand Korea aus drei K├Ânigreichen: Goguryeo im Norden, dem westlichen K├Ânigreich Baekje sowie dem kleinsten Reich im S├╝dosten, Silla. Ein gro├čer Teil Goguryeos, des gr├Â├čten der drei Reiche, lag damals im Gebiet der heutigen chinesischen Mandschurei. Diese Gebiete gingen verloren, nachdem das kleine Silla mit Unterst├╝tzung von Tang-China die beiden anderen Reiche unterworfen hatte. Damals gab es in Silla den Orden der Hwarang, etwa „Blumenknaben“, die eine besondere kulturelle, gesellschaftliche und religi├Âse Ausbildung erfuhren und zumindest zeitweise auch in kriegerischen K├╝nsten ausgebildet wurden. Vermutlich befand sich darunter auch die aus China importierte waffenlose Kampfkunst Subak, was etwa soviel bedeutet wie „die Schulter dr├╝cken“. Aus diesem (chinesisch geschriebenen) Subak entwickelte sich vermutlich irgendwann das (in Hangeul geschriebene) Taekgyeon, das bis zur Zeit der japanischen Annexion Koreas vor allem im einfachen Volk, also auch bei Gaunern und R├Ąubern, beliebt war. Taekgyeon gilt allgemein als genuin koreanische Kampfkunst, deren typische Bewegungsmuster in keiner anderen ostasiatischen Kampfart anzutreffen sind. Aufgrund des w├Ąhrend der 35-j├Ąhrigen Besatzungszeit bestehenden Verbots f├╝r Koreaner, Kampfk├╝nste auszu├╝ben, starb diese traditionelle koreanische Kampfkunst beinahe aus. Verschiedentlich wird von den Gr├╝nderv├Ątern des sp├Ąteren Taekwondo wie Choi Hong-hi und Hwang Ki behauptet, sie h├Ątten in ihrer Jugend Taekgyeon gelernt, aber weder gibt es dar├╝ber Aufzeichnungen, noch kann man die typischen Taekgyeon-Elemente wie etwa die t├Ąnzerische Wipp-Bewegung oder den Atmungsrhythmus in ihrem urspr├╝nglichen Stil entdecken.

Eine weitere traditionelle koreanische Kampfkunst ist Ssireum, ein Ringkampfstil, den es etwa seit der Joseon-Dynastie gibt. Es ist noch heute ein beliebter Zuschauersport. Im Unterschied zum japanischen Sumo ist es dabei nicht das Ziel, den Gegner aus dem Ring oder auf den Boden zu sto├čen, sondern, ├Ąhnlich wie beim schweizerischen Schwingen, den Gegner durch Ziehen und Ausheben aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ein urs├Ąchlicher Einfluss dieses traditionellen koreanischen Kampfsports aufs sp├Ątere Taekwondo kann mit Sicherheit ausgeschlossen werden.

Ausgrabungen japanischer Arch├Ąologen im Jahre 1935 im Gebiet des heutigen Nordkorea legten Wandmalereien in Goguryeo-Gr├Ąbern frei, auf denen je nach Interpretation T├Ąnzer oder Duellisten in Nahkampfposen abgebildet sind. Um welchen Kampfstil es sich dabei handeln k├Ânnte, ist heute nicht mehr zu kl├Ąren, denn au├čer diesem Bild sind keine schriftlichen Aufzeichnungen dar├╝ber gefunden worden. Die h├Ąufig auf offiziellen Taekwondo-Seiten zu findende Behauptung, dies sei ein Vorl├Ąufer des Taekwondo gewesen, ist reine Spekulation und entstammt dem Reich der Fantasie, nicht der Fakten.

Daneben werden oftmals die Keumgang-W├Ąchterstatuen in Sukkuram als Beleg einer Jahrhunderte alten Taekwondo-Tradition herangezogen. Dies sind zwei W├Ąchter, die in auff├Ąlligen Kampfstellungen den Eingangsbereich eines buddhistischen Tempels bewachen. Doch dieser Beleg entpuppt sich als Fehlgriff, denn derartige Figuren finden sich ├╝berall in China und sogar Indien (wobei die ├Ąlteren Figuren Waffen in den H├Ąnden halten), und demnach m├╝sste Taekwondo letztendlich aus Indien stammen.

Eine letzte Kampfart, die in Korea vor der japanischen Besatzungszeit vermutlich anzutreffen war, ist Kwon-beop. Doch dies ist definitiv keine traditionelle koreanische Kampfkunst, sondern nur die koreanische Schreibweise des chinesischen Quanfa bzw. japanischen Kempo, bedeutet also etwa „Fausttechnik“. Tats├Ąchlich hatte diese Kampfart seinen Ursprung in China und kam ├╝ber die Mandschurei nach Korea. Sie wurde von Soldaten etwa seit dem Ende der japanischen Invasion 1598 als letztes (waffenloses) Mittel auf dem Schlachtfeld trainiert, als ein vergleichsweise kleiner Bereich unter dem gro├čen Angebot an bewaffneten Kampftechniken. Die Kwon-beop-Bewegungen sind in dem milit├Ąrischen Lehrwerk Muye Dobo Tongji, dem „illustrierten Handbuch der Kampfk├╝nste“ von 1790, dargestellt. Dort wird eine ├ťbersichtstafel mit vielen weit ausholenden Armschw├╝ngen durch einzelne, tiefe Fu├čtritte aufgelockert. Ein urs├Ąchlicher Einfluss auf das sp├Ątere Taekwondo kann allein schon aus dem Grund der Unterschiedlichkeit der Techniken ausgeschlossen werden.

Die Aus├╝bung von Kampfk├╝nsten erfuhr in der Geschichte Koreas zwei gro├če D├Ąmpfer. Der erste war der ├ťbergang vom Buddhismus zum Konfuzianismus als Gesellschaftsordnung zu Beginn der Joseon-Dynastie. Alles, was mit dem Milit├Ąrwesen oder dem Kriegswesen zu tun hatte, wurde zugunsten anderer kultureller Errungenschaften gesellschaftlich abgewertet. Ssireum, Subak, sp├Ąter Taekgyeon und im Milit├Ąr Kwon-beop wurden zwar weiterhin ausge├╝bt und erfuhren in manchen Kreisen regelrechte Beliebtheit. Taekgyeon-Spiele etwa wurde gerne auf manchen Festen ausge├╝bt, besonders von Kindern. Der zweite, weitaus gr├Â├čere Einschnitt folgte auf die Besetzung Koreas durch Japan. Die Aus├╝bung von Kampfk├╝nsten war Koreanern generell verboten, nur in seltenen Einzelf├Ąllen scheint dies geschehen zu sein. Die Taekwondo-Begr├╝nder haben allesamt japanische Kampfk├╝nste im Ausland gelernt.

Entstehung und Entwicklung des Taekwondo im 20. Jahrhundert

Nach der Joseon-Dynastie wurde Korea 1910 von Japan annektiert. Alles, was Kultur und Geschichte Koreas ausgemacht hatte, wurde systematisch unterdr├╝ckt und verboten. Das galt auch f├╝r traditionelle koreanische Kampfarten wie Taekgyeon und Ssireum. Die japanischen Besatzer brachten zwar Kampfarten wie Jujutsu, Kendo, Judo, Karate oder Sumo von zuhause mit, aber Koreanern war es offiziell verboten, sie zu erlernen. Ausnahmen gab es beispielsweise f├╝r Koreaner, die in Japan studiert oder im japanischen Milit├Ąr gedient haben.

Die F├╝nf Ursprungsstile

Nachdem 1943 das Verbot fiel, Kampfk├╝nste auszu├╝ben, und mehr noch nach der Unabh├Ąngigkeit Koreas im Jahr 1945 kehrte eine Handvoll Koreaner zur├╝ck, die im Ausland, also in Japan und der Mandschurei, vor allem japanisches Karate gelernt hatten. Sie er├Âffneten die 5 urspr├╝nglichen Kampfkunst-Schulen, aus denen sp├Ąter das Taekwondo entstehen sollte:

* Lee Won-Kuk hatte Shotokan-Karate bei Gichin Funakoshi gelernt und begann bereits 1944, Dangsudo in seiner Schule, dem Cheongdo-Kwan („Halle des wahren Weges“) in Seoul, zu unterrichten. Lee fl├╝chtete 1953 aus politischen Gr├╝nden nach Japan und emigrierte 1976 in die USA.
* Hwang Ki lernte ab 1936 in der ebenfalls japanisch besetzten Mandschurei vermutlich Karate, auch wenn er den Stil sp├Ąter als einen chinesischen ausgab. 1945 gr├╝ndete er in Seoul den Mudeuk-Kwan (etwa „Halle der Kampftugenden“). Seinen Stil nannte er zun├Ąchst ebenfalls Dangsudo, sp├Ąter dann, in Korea, Subakdo. Auf internationaler Ebene behielt er den Namen Dangsudo (geschrieben „Tang Soo Do“, abgek├╝rzt TSD) bei, unter dem sein Stil vor allem in den USA heute noch betrieben wird.
* Chun Sang-Sup hatte Judo und Karate w├Ąhrend seines Studiums in Japan gelernt und schloss sich 1946 dem Yeonmu-Kwan an, der gr├Â├čten Seouler Judo-Schule, wo er neben Judo auch Gongsudo unterrichtete. Chun gilt als im Korea-Krieg verschollen. Seine Sch├╝ler ├Ąnderten den Schulnamen daraufhin in Jido-Kwan („Weg der Weisheit“).
* Yoon Byung-In kehrte als rangh├Âchster koreanischer Karateka aus Japan zur├╝ck, wo er bei Kanken Toyama (Shudokan-Stilgr├╝nder) den 5. Dan im Shudokan-Karate erreicht hatte. Er soll in der Mandschurei auch Kwon Bop(chinesisches Quanfa/Kung fu) gelernt haben.

Ebenfalls 1946 gr├╝ndete er den Changmu-Kwan im Seouler YMCA und nannte seinen Stil (vermutlich aus politischen, d.h. anti-japanischen Gr├╝nden) Kwon-Bop(„Faustmethode“). Yoon wurde vermutlich w├Ąhrend des Korea-Krieges nach Nordkorea verschleppt.

* Ro Byung-Jik hatte zusammen mit Lee Won-Kuk Shotokan-Karate bei Gichin Funakoshi gelernt und trug bei seiner R├╝ckkehr den 1. Dan. Seine erste Schule gr├╝ndete er bereits vor der Unabh├Ąngigkeit in Kaes?ng im heutigen Nordkorea, zog aber mangels Erfolg 1946 nach Seoul und er├Âffnete dort den Seongmu-Kwan (abgeleitet von „Seong Do Kwan“, der koreanischen Aussprache des japanischen Shotokan).

Der Dangsudo-Stil

Alle nannten ihren Stil zun├Ąchst Dangsudo (Tangsoodo)= „Weg der (Dang-)China-Hand“ oder Gongsudo(Kongsoodo) = „Weg der leeren Hand“. In beiden F├Ąllen handelt es sich um die koreanische Aussprache dessen, was auf japanisch Karate gelesen wird. Das Wort „Karate“ erfuhr in den 1930ern eine Deutungs- und Bedeutungs├Ąnderung von „(Dang-)China-Hand“ in „leere Hand“. In diesen f├╝nf ersten Seouler Taekwondo-Schulen wurde urspr├╝nglich also die eine oder andere Art Karate trainiert, und Ausl├Ąndern gegen├╝ber wurde es bis in die 1960er Jahre hinein als „Koreanisches Karate“ vorgestellt. Allerdings bestanden zwischen den Schulen unterschiedliche Standards f├╝r Dan-Pr├╝fungen. So kam es bereits vor dem Korea-Krieg zu ersten Gespr├Ąchen ├╝ber einen eventuellen Dachverband, doch erst w├Ąhrend des Kriegs einigten sich die Kwan-Vertreter in Busan auf die Koreanische Gongsudo-Vereinigung.

Diese erste Vereinigung zerfiel bereits nach wenigen Monaten, weil Hwang Ki gleich darauf in Seoul im Alleingang die „Koreanische Dangsudo-Vereinigung“ gr├╝ndete, woraufhin auch Son Duk-sung aus der Gongsudo-Vereinigung austrat. Son Duk-sung hatte inzwischen die Leitung des Cheongdo-Kwan ├╝bernommen, damals die gr├Â├čte zivile Kampfkunst-Schule.

Nach dem Koreakrieg

Kurz nach dem Krieg gelang es Generalmajor Choi Hong-hi, durch seine Sch├╝ler Einfluss auf die Leitung des Cheongdo-Kwan zu nehmen; er selber wurde Kwan-Chef ehrenhalber. Choi hatte Anfang der 1940er Jahre in Japan je nach Quelle den 1. oder 2. Dan im Karate erlangt, bevor er erst der japanischen, nach Koreas Unabh├Ąngigkeit der koreanischen Armee beitrat. Bei jeder Gelegenheit trainierte er seine Untergebenen und Kollegen im Karate und traf dabei auf den hochtalentierten Nam Tae-hi, der Dangsudo im Cheongdo-Kwan gelernt hatte und gleich Chois rechte Hand wurde. Nam Tae-hi beeindruckte Koreas Pr├Ąsident Syngman Rhee w├Ąhrend einer Demonstration im Jahre 1952 mit einem Dachziegel-Bruchtest so sehr, dass dieser Gongsudo-Training f├╝r alle Soldaten anordnete. Dazu gr├╝ndeten Choi und Nam 1953 den milit├Ąrinternen Odo-Kwan („My Way“), der im Laufe der Zeit zur einflussreichsten Kampfkunst-Schule wurde, denn fr├╝her oder sp├Ąter musste jeder junge Koreaner das Milit├Ąr passieren. Somit versch├Ąrfte sich die Situation f├╝r die anderen Kwan, denn im Milit├Ąr wurden zun├Ąchst nur die Dan-Graduierungen des Choi-h├Ârigen Cheongdo-Kwan anerkannt.

Die 1950er Jahre

In den sp├Ąteren 1950er Jahren spitzte sich die Lage auf einen Machtkampf zwischen Hwang Ki und Choi Hong-Hi zu. Hwang organisierte mehrere Dangsudo-Vorf├╝hrungen und bem├╝hte sich, seinen Stil ├╝ber seine Sch├╝ler im Milit├Ąr bekannt zu machen. 1955 organisierte Choi mit Unterst├╝tzung der Regierung eine Kommission, die erneut ├╝ber eine Vereinigung der verschiedenen Gongsudo-Stile verhandelte. Diese Kommission umfasste allerdings nicht alle betroffenen Kwan, sondern bestand aus Vertretern des Cheongdo-Kwan, des Odo-Kwan, des Milit├Ąrs und der Regierung. Bei dieser Gelegenheit kreierte Choi Hong-hi am 11. April 1955 den Namen „Taekwondo“, ein Name, der, schmissig ausgesprochen, ganz bewusst an das traditionelle Taekgyeon erinnern sollte, auch wenn es keine inhaltliche Verwandtschaft dazu gab. Dieser Name wurde bis in die 1960er Jahre au├čerhalb von Chois Einflussbereich, also dem Cheongdo-Kwan und dem Odo-Kwan, nicht verwendet.

Hwang Ki kreierte ebenfalls einen neuen Namen f├╝r seinen Stil, nachdem er 1957 das alte Buch „Muye Dobo Tongji“ (etwa „Illustriertes Handbuch der Kampfk├╝nste“) von ca. 1790 wieder entdeckt und ins moderne Koreanisch ├╝bersetzt hatte: Subakdo, etwa „Weg der schlagenden Hand“. Daneben behielt er die Bezeichnung Dangsudo f├╝r seine internationalen Bestrebungen bei, unter der er zun├Ąchst lokale Vorf├╝hrungen und ab den 1960er Jahren internationale Turniere organisierte.

Mit Unterst├╝tzung der Rhee-Regierung organisierte Choi 1959 die Gr├╝ndung der ersten Koreanischen Taekwondo-Vereinigung und wurde deren erster Pr├Ąsident. Hwang Ki und andere pl├Ądierten dabei f├╝r den Namen Dangsudo, aber mittels seiner milit├Ąrischen Autorit├Ąt konnte Choi sich durchsetzen. Seine Machtbasis brach aber im Zuge der Studentenrevolution am 19. April 1960 unter ihm zusammen, ebenso die frisch gegr├╝ndete, aber offiziell noch nicht registrierte Taekwondo-Vereinigung. Hwang Ki nutzte die Gunst der Stunde, und mithilfe eines guten politischen Kontaktes im Ministerium gelang ihm kurz darauf handstreichartig die Registrierung seines eigenen Verbandes, den er in Koreanische Subakdo-Vereinigung umbenannte. Damit war der Weg f├╝r Taekwondo zun├Ąchst verbaut, denn eine zweite Vereinigung f├╝r den gleichen Sport registrieren zu lassen war nicht m├Âglich.

Die 1960er Jahre

Am 16. Mai 1961 putschte General Park Chung-hee, und kurz danach wurde per Dekret Nr. 6 die Neuordnung der Dangsudo/Gongsudo/Subakdo-Registrierung verordnet. Dies h├Ątte die gro├če Stunde des Generals Choi Hong-hi werden k├Ânnen, doch es gab Differenzen zwischen den beiden Milit├Ąrf├╝hrern, und Choi wurde als Botschafter nach Malaysia abgeschoben. Die koreanische Taekwondo-Entwicklung fand f├╝r die n├Ąchsten 4 Jahre ohne Choi statt. Er entwickelte im Exil allerdings sein Hyeong-System (s. u., „Formenlauf“) und setzte seine Bem├╝hungen eigenm├Ąchtig fort, Taekwondo international, etwa bei den US-Truppen in Vietnam, bekannt zu machen.

Im September 1961 kam es zur Gr├╝ndung der Koreanischen Taesudo-Vereinigung („Korean Taesoodo Association“, kurz KTA), wobei man sich auf den neuen Namen „Taesudo“ (etwa „Tritt-Hand-Weg“) als Kompromiss zwischen Dangsudo, Subakdo und Taekwondo einigte. Man entwickelte einheitliche Pr├╝fungs- und Wettkampfregeln und schickte Show-Teams ins Ausland.

Korean Taekwondo Association

1965 kehrte Choi Hong-hi nach Korea zur├╝ck, und er wurde gleich zum neuen KTA-Pr├Ąsidenten gew├Ąhlt. Sofort ├Ąnderte er den Namen der Kunst in „Taekwondo“ – angeblich wurde die Namens├Ąnderung mit einer Stimme Mehrheit beschlossen – und forcierte die Bestrebungen nach Internationalisierung. So kam Taekwondo endlich auch nach Deutschland und f├╝hrte 1967 zur Gr├╝ndung des Deutschen Taekwondo-Verbandes mit Ausrichtung der 1. Deutschen Taekwondo-Meisterschaft (s.u., „Taekwondo in Deutschland“). Hwang Kis Mudeuk-Kwan spaltete sich ├╝ber die Streitfrage, ob man Chois KTA folgen solle oder nicht, und viele seiner Sch├╝ler schlossen sich der KTA an. Hwang Ki selbst blieb von der KTA unabh├Ąngig und gr├╝ndete sp├Ąter im Ausland, insbesondere in den USA, verschiedene Dangsudo-Verb├Ąnde.

Gr├╝ndung der ITF

Der permanente Streit zwischen KTA-Pr├Ąsident Choi und den anderen Kwan-Leitern f├╝hrte dazu, dass man Choi bereits ein Jahr sp├Ąter n├Âtigte, vom Posten zur├╝ckzutreten und ihm im Gegenzug die Gr├╝ndung eines eigenen Verbandes, der International Taekwon-Do Federation, kurz ITF, zusicherte. Sie wurde am 22. M├Ąrz 1966 in Seoul mit den Gr├╝ndungsl├Ąndern Arabien, Deutschland (West), Italien, Korea, Malaysia, Singapur, T├╝rkei, USA und Vietnam vollzogen. Erster und bis zu seinem Tod einziger Pr├Ąsident war selbstverst├Ąndlich Choi Hong-hi.

In den folgenden Jahren wuchs der Konflikt zwischen der KTA und der ITF, sodass man in der KTA eigene Formen entwickelte, die Pumsae (erst acht Palgwe, dann acht Taegeuk) und die neun Yudanja (koreanische Aussprache des japanischen „Yudansha“, siehe unten, „Formenlauf“).

Die 1970er Jahre

1971 wurde Dr. Kim Un-Yong zum 6. KTA-Pr├Ąsidenten gew├Ąhlt. Im selben Jahr stellte sich der s├╝dkoreanische Pr├Ąsident Park Chung-hee zur Wiederwahl, und weil er eine Krise kommen sah, rief er Ende des Jahres den nationalen Notstand aus. Noch vorher entdeckte er Taekwondo als nationales Erziehungsmittel und fertigte am 20. M├Ąrz 1971 h├Âchstpers├Ânlich eine Kalligraphie an, mit der er Taekwondo zum koreanischen Nationalsport (Gukki Taekwondo, etwa „nationaler Schatz Taekwondo“) erkl├Ąrte. Im selben Jahr erfolgte die Grundsteinlegung des Gukkiwon (etwa „Aus├╝bungsst├Ątte des nationalen Schatzes“), des „Welt-Taekwondo-Hauptquartiers“ (so der offizielle Titel), das 1972 fertig gestellt wurde. Pr├Ąsident war ebenfalls Kim Un-yong.

Trennung der Verb├Ąnde in WTF und ITF

Im selben Jahr verlie├č Choi Hong-hi vermutlich wegen Verbandsstreitigkeiten S├╝dkorea. Er verlegte den Sitz der ITF nach Toronto in Kanada und begann die Reform seines Taekwon-Do. Als Folge davon wurde am 28. Mai 1973 im Zuge der im Kukkiwon stattfindenden ersten Taekwondo-Weltmeisterschaft die World Taekwondo Federation, kurz WTF, mit Sitz in Seoul gegr├╝ndet. Auch hier wurde Kim Un-Yong Pr├Ąsident. KTA, WTF und Kukkiwon arbeiteten nun mit Unterst├╝tzung der Park-Regierung Hand in Hand daran, die verschiedenen Taekwondo-Schulen (Kwan) S├╝dkoreas aufzul├Âsen, um ein einheitliches Taekwondo-System durchzusetzen. Hwang Ki gewann zwar diverse Prozesse dagegen, doch der Druck auf ihn und seine Schule wurde immer gr├Â├čer, bis er schlie├člich nachgab und 1974 in die USA zog. 1976 wurden die noch bestehenden Kwan durch Nummern ersetzt und zwei Jahre sp├Ąter ganz aufgel├Âst.

Auf dem Weg zur Olympischen Disziplin

Die sp├Ąteren 1970er und 1980er Jahre waren gepr├Ągt durch den Konflikt beider Taekwondo-Weltverb├Ąnde, respektive ihrer Pr├Ąsidenten Choi Hong-hi und Kim Un-Yong. Kim konnte dabei auf die massive Unterst├╝tzung seiner Regierung bauen, und so gelang ihm schlie├člich 1980 die Anerkennung der WTF als Weltfachverband Taekwondo vom IOC. Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul und 1992 in Barcelona war das WTF-Taekwondo als Demonstrationswettbewerb zugelassen, 2000 in Sydney und 2004 in Athen war es vollwertige olympische Disziplin. Zu den besten Sportlern der Welt geh├Ârt sicherlich der amerikanische Doppelolympiasieger Steven Lopez, der als einziger Athlet bisher jeweils die Goldmedaille 2000 in Sydney (- 68 kg) und 2004 in Athen (- 80 kg) erringen konnte.

Ende der Ära von Choi und Kim

Choi ging einen anderen Weg und besuchte mit einem Team 1981 Nordkorea, wo seitdem ITF-Taekwondo betrieben wird. Das wurde ihm in S├╝dkorea sogleich als Landesverrat angelastet. Bis heute wird sein Name dort weitgehend verschwiegen, und seine Leistungen als „Vater des Taekwondo“ werden nicht anerkannt. Er starb 2002 in Nordkorea, Hwang Ki ebenfalls 2002 in S├╝dkorea, und Kim Un-yong wurde im Juni 2004 wegen Korruption und Veruntreuung zu einer zweieinhalbj├Ąhrigen Freiheitsstrafe verurteilt, aus der er allerdings Ende Juni 2005 im Zuge einer Generalamnestie entlassen wurde.

Verb├Ąnde und Organisationen

Allgemein

Taekwondo ist sowohl national als auch international in sehr viele Verb├Ąnde zersplittert; es lassen sich allerdings zwei dominante Organisationen identifizieren: die beiden Weltverb├Ąnde ITF (International Taekwon-Do Federation, gegr├╝ndet im Jahr 1966) und WTF (World Taekwondo Federation, gegr├╝ndet 1973). In Deutschland ist die DTU – Deutsche Taekwondo Union e.V. – dem Weltverband WTF angegliedert. Die DTU ist dem Deutschen Sportbund und dem Nationalen Olympischen Komitee angegliedert und somit offizieller Taekwondo-Verband in Deutschland.

Dar├╝ber hinaus gibt es viele unabh├Ąngige Schulen, die sich mehr oder weniger an die Verbandsstile anlehnen oder sich am „traditionellen“ Taekwondo-Stil orientieren, wie er urspr├╝nglich von General Choi Hong Hi in den 1950er und 1960er Jahren entwickelt wurde. Ein Beispiel hierf├╝r ist das „Traditionelle Taekwondo“ nach Kwon Jae-hwa, welches sich deutlich von den „modernen“ Taekwondo der DTU, ITF und WTF unterscheidet, vor allem durch den Verzicht auf Schutzausr├╝stung beim Wettkampf. Es wird kontaktloser Kampf praktiziert, Schl├Ąge und Tritte werden kurz vor dem Gegner abgestoppt.

Die zwei gr├Â├čten Verb├Ąnde: ITF und WTF

Die ITF hat ihren Sitz in Wien, nachdem ihr Gr├╝nder General Choi Hong-hi nach Kanada emigrierte und den Sitz der ITF zun├Ąchst nach Toronto und dann 1985 nach Wien verlegt hatte.

Die WTF hat ihren Sitz in Seoul (S├╝dkorea), der Gr├╝nder ist Kim Un-Yong. Sie wurde 1973 als Reaktion auf die Emigration von General Choi und die parallel stattfindende Verlegung der ITF-Zentrale gegr├╝ndet. Begr├╝ndung daf├╝r war, dass Taekwondo als koreanischer Nationalsport seinen Zentralsitz unbedingt in Korea haben sollte. Unter dem Dach der WTF findet das Olympische Taekwondo statt, daher ist eine Teilnahme an den Olympischen Spielen nur als Angeh├Âriger der WTF m├Âglich.

Stilunterschiede

Aus verbandspolitischen Gr├╝nden haben sich im Taekwondo verschiedene Stile entwickelt, auch deshalb, weil sich gerade die gro├čen Weltverb├Ąnde gezielt weiterentwickeln: vor allem die WTF versucht, den Sport publikumswirksamer und damit die Wettk├Ąmpfe attraktiver zu gestalten. Demgegen├╝ber setzen die traditionellen Schulen auf das Althergebrachte, das sie bewahren wollen. Die Stile unterscheiden sich daher vor allem in den Formenl├Ąufen, in der Namensgebung der Techniken sowie in der Art des Wettkampfes. Die Techniken selbst sind im Grunde identisch. Hinzu kommt, dass diverse Gro├čmeister den jeweiligen Stil ebenfalls leicht beeinflussen, was dazu f├╝hrt, dass alle untergeordneten Schulen diesen Stil ├╝bernehmen. Dies betrifft vor allem bestimmte Techniken und hier insbesondere den jeweiligen Bewegungsablauf. Einige Gro├čmeister verlangen weiche, flie├čende Bewegungen, andere kantig-dynamische. Auch die Ausf├╝hrungsgeschwindigkeit der jeweiligen Technik unterscheidet sich oftmals.

Schreibweisen

Zur Abgrenzung musste sogar die Schreibweise des Begriffes Taekwondo herhalten. Traditionell hei├čt es Taekwon-Do, diese Schreibweise hat auch die ITF behalten. Die WTF schreibt den Namen „Taekwondo“. Manche Schulen trennen die Silben komplett und schreiben „Tae-Kwon-Do“. Die offizielle Umschrift des Begriffs ??? ist Taegwondo in S├╝dkorea (Revidierte Romanisierung) und T’aekw?ndo (McCune-Reischauer-Romanisierung) in Nordkorea, diese Schreibweisen werden aber praktisch nie verwendet. Auch Techniken werden manchmal unterschiedlich benannt, obwohl sie in gleicher Weise ausgef├╝hrt werden. Das resultiert vor allem darin, dass die ├ťbersetzung der koreanischen Schreibweisen in westliche Schriften nicht ganz eindeutig ist. Daher k├Ânnen solche Bezeichnungen voneinander abweichen (vgl. Taekwondo-Begriffe).

Formenlauf

Formen (engl. Pattern) sind festgelegte Schritt- und Technikfolgen, sie gleichen einem Kampf gegen imagin├Ąre Gegner und dienen vor allem der Automatisierung von Bewegungsfolgen und dem Training von passenden Atemtechniken.

Der geschichtliche Hintergrund ist angeblich, dass es fr├╝her viel zu gef├Ąhrlich gewesen w├Ąre, einen Trainingskampf gegen einen echten Gegner zu f├╝hren – bei Verletzung oder Tod h├Ątte dies zu erheblichen wirtschaftlichen Problemen (Arbeitskraft in der Landwirtschaft) und entsprechenden Racheakten der Familie des Opfers gef├╝hrt. Es gibt allerdings noch weitere Theorien ├╝ber die Entstehung von Formen, die sich in allen asiatischen Kampfarten und in den unterschiedlichsten kulturellen Kontexten entwickelt haben.

Bei den festgelegten Bewegungsformen unterscheidet man zwischen

* Pumsae (Taegeuk/ Palge und Yudanja),
* Hyeong (die traditionellen Formen, von Choi Hong-hi zusammengestellt) und
* Teul (von Choi Hong-hi sp├Ąter aus den Hyeong weiterentwickelt).

Wettkampf

Das Taekwondo hat sich von einem koreanischen Volkssport mit der Verbreitung in der Welt, der Austragung von internationalen Wettk├Ąmpfen und der Aufnahme in das Programm der Olympischen Spiele zu einem modernen Wettkampfsport entwickelt. Nach Angaben der WTF trainieren weltweit ├╝ber 40 Millionen Athleten den dynamischen Vollkontakt-Wettkampfsport, seit der offiziellen olympischen Anerkennung in Sydney 2000 mit steigender Tendenz.

Regelm├Ą├čig finden auch Milit├Ąr-Weltmeisterschaften (CISM) im Vollkontakt-Wettkampf (WTF) statt. Die letzte CISM-WM fand im Oktober 2004 in Warendorf statt, bei der die deutsche Mannschaft mehrere Medaillen gewinnen konnte.

Der Wettkampf (Freikampf) findet auf einem abgegrenzten Feld statt und wird von mehreren Schiedsrichtern bewertet, von einem Kampfrichter geleitet. Der Wettkampf geht ├╝ber wenige Minuten (olympisch drei Runden ├╝ber jeweils zwei Minuten mit jeweils einer Minute Pause), in denen die Teilnehmer versuchen m├╝ssen, mit Taekwondo-Techniken den Gegner zu treffen (Vollkontakt). Je nach getroffener K├Ârperstelle und Trefferwirkung werden Punkte vergeben, bei unsportlichem Verhalten k├Ânnen auch Strafen, d.h. Punktabz├╝ge vergeben werden. Die genauen Kampfordnungen unterscheiden sich von Verband zu Verband, k├Ânnen aber in der Regel auf den Webseiten der Verb├Ąnde eingesehen werden (siehe Weblinks, unten). Die olympischen Wettk├Ąmpfe finden nach den international g├╝ltigen Wettkampfregeln der WTF statt. Im Vollkontakt tragen die Wettk├Ąmpfer exakt vorgeschriebene Schutzausr├╝stung (Kopfschutz, Schienbein- und Ellbogenschoner, Tiefschutz, Zahnschutz, Brustpanzer).

Als Konsequenz der starken Wettkampforientierung in der olympischen Disziplin werden schwerpunktm├Ą├čig Techniken und Kombinationen ge├╝bt, die im Wettkampf gem├Ą├č der Wettkampfordnung Trefferpunkte bringen. Im Gegensatz dazu besinnen sich die traditionellen Schulen auf ein Taekwondo ohne Wettkampfdruck und ├╝ben demzufolge das gesamte Technikspektrum. Dennoch finden auch hier Freik├Ąmpfe (meist Leicht- bzw. Semikontakt) statt. Hier stehen allerdings statt der Trefferwirkung eher die korrekte und ├Ąsthetische Ausf├╝hrung der Technik(en) im Vordergrund.

Neben dem Freikampf werden auch Formenturniere ausgetragen, diese Wettkampfdisziplin ist allerdings nicht olympisch.

Taekwondo in Deutschland

Kurze Historie

Taekwondo wurde ab 1965 durch die Gro├čmeister Choi Hong-hi und Kwon, Jae-Hwa auch im deutschsprachigen Raum verbreitet (diese Arbeit wurde sp├Ąter von vielen anderen koreanischen Gro├čmeistern unterst├╝tzt und fortgesetzt, die zum Teil heute noch in Deutschland ans├Ąssig sind). Hervorzuheben ist der langj├Ąhrige DTU-Bundestrainer Park Soo-Nam aus Stuttgart, unter dessen Regie Deutschland ununterbrochen in Folge (1976, 1978, 1980, 1982, 1984) Europameister wurde und zahlreiche Medaillen auf Weltebene hervorgebracht hat. Unter anderem errang das deutsche Team 2 x Gold, 1979 durch Rainer M├╝ller und 1982 durch Dr. Dirk Jung, sowie 2 x Bronze in Korea bei den ersten olympischen TKD-Wettk├Ąmpfen 1988 in Seoul durch Markus Woznicki (Europameister 1988) und Michael Arndt (Weltmeister 1987).

Die ersten deutschen Meisterschaften fanden bereits 1967 in M├╝nchen statt. Die ersten WM-Teilnehmer Deutschlands gewannen in Korea 1973 Silber durch Armando Chavero und Bronze durch Georg Karrenberg (beide Leichtgewicht). Ebenfalls in Korea errangen 1975 jeweils eine Silbermedaille Prof. Dr. Wolfgang Dahmen (Federgewicht) und Meinolf L├╝ttecken (Schwergewicht), sowie Bronze f├╝r Hubert Leuchter (Bantamgewicht).

Erster Bundestrainer der Sektion Taekwondo im deutschen Judo-Bund (DJB) wurde 1972 Kwon Jae-hwa.

Die Deutsche Taekwondo Union e.V.

Die Deutsche Taekwondo Union (DTU) wurde 1981 gegr├╝ndet und ging aus der Sektion Taekwondo des DJB hervor. Die DTU ist Mitglied in der European Taekwondo Union (ETU) sowie des Weltdachverbandes WTF. Damit ist die DTU vom NOK und vom DSB als einziger offizieller Verband anerkannt und berechtigt Sportler zu den Olympischen Spielen zu entsenden. Heute trainieren ├╝ber 58.000 Aktive in der DTU, welche in ca. 850 Vereinen den Sport aus├╝ben.

Weitere Taekwondo-Verb├Ąnde

Die ITF-D mit Sitz in K├Âln ist einer von drei deutschen Nationalverb├Ąnde der ITF und ist deren europ├Ąischem Verband und dem Weltverband angeschlossen. Pr├Ąsident ist seit ├╝ber 15 Jahren Paul Weiler (7. Dan). Ein weiterer deutscher ITF-Verband ist die Taekwon-Do Federation Germany (TFG) mit Hauptsitz in Stuttgart, unter der Pr├Ąsidentschaft von Dr. Bj├Ârn Wolle (4. Dan) und dem Vizepr├Ąsidenten Stefanos Gaidartzakis (8. Dan). Die NAG mit Sitz in Bochum ist ein weiterer deutscher ITF-Verband und wird von Tarcisio Martella (6. Dan) geleitet.

Olympischer Taekwondo-Wettkampf

Seit 2003 findet in Deutschland innerhalb der DTU die Taekwondo-Bundesliga statt, die im Freikampf (olympische Disziplin) den deutschen Taekwondo-Mannschaftsmeister ermittelt und den Sport publikumswirksam einem breiteren Zuschauerkreis auf regionaler Ebene n├Ąher bringt. Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney gewann Deutschland erstmalig eine Silbermedaille durch Faissal Ebnoutalib (Herren -80 kg). Der Sportsoldat und dreifache Weltmeister (2x CISM und WM 1995) Aziz Acharki belegte den 6. Platz (Herren -68 kg), und Fadime Helvacioglu (Damen – 49 kg) schied bei den Frauen in den Vork├Ąmpfen vorzeitig aus.

2003 fand die WTF-Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen statt. Etwa 1000 Teilnehmer aus ├╝ber 100 L├Ąndern nahmen daran teil. Deutschland errang insgesamt drei Medaillen: Silber f├╝r Mohamed Ebnoutalib, Bronze jeweils f├╝r Thucuc Pham und CISM (Milit├Ąr-WM) Goldmedaillengewinner Erdal Aylanc. Nach der WM 1979 in Sindelfingen konnte nach 24 Jahren erneut eine Taekwondo-WM in Deutschland ausgetragen werden.

Europameisterschaften werden seit 1976 (Barcelona) ausgetragen und finden i. d. R. alle zwei Jahre, abwechselnd zu den WTF-Weltmeisterschaften, statt. Nach 1978 (M├╝nchen) und 1984 (Stuttgart) wurde 2006 in Bonn erneut eine EURO in Deutschland ausgetragen.

Bekleidung

Der Kampfanzug (Dobok) ist ein Anzug aus leichtem, wei├čgebleichtem Leinen, der aus Jacke, Hose und G├╝rtel (Ty) besteht. Er ist strapazierf├Ąhig, l├Ąsst alle Bewegungen zu, und man kann bei bestimmten Techniken auch mal fest daran zupacken, ohne dass der Anzug rei├čt. Zur Grundbekleidung kommen ggf. noch Schutzausr├╝stungen f├╝r den Wettkampf hinzu (siehe oben). Jegliche Form von Schmuck (Ringe, Hals-/Fu├čkettchen, Armb├Ąnder/Uhren und gro├če Ohrringe) muss wegen der Verletzungsgefahr vor dem Training abgelegt werden.

Die F├╝├če bleiben unbekleidet. Ausnahmen gibt es f├╝r Sportler mit Fu├čverletzungen oder ├Ąhnlichem, bei Bedarf sollte man den Lehrer fragen. Spezielle Taekwondo-Schuhe gibt es zwar, doch sollten diese nur zu speziellen Anl├Ąssen (Vorf├╝hrungen oder Training im Freien) getragen werden.

Im Taekwondo hat der wei├če Dobok sowie der wei├če G├╝rtel auch symbolischen Charakter. Die Farbe Wei├č ist rein und kann noch leicht alle anderen Farben annehmen. Sie ist wie ein noch unbeschriebenes Blatt, v├Âllig leer. Ein Sch├╝ler im wei├čen Dobok ist vergleichbar mit einem noch leeren Glas, in das langsam neues Wissen der Meister eingegossen wird. Der Sch├╝ler sollte dieses Wissen und K├Ânnen „aufsaugen“, verarbeiten, um es dann erfolgreich in die Tat umzusetzen. Unabh├Ąngig von dieser Bedeutung entstand der wei├če Trainingsanzug wohl ganz pragmatisch aus der Tatsache, dass Farbstoffe fr├╝her sehr teuer waren. Der Farbe der G├╝rtel liegt ebenfalls eine Symbolik zugrunde.

* Der wei├če G├╝rtel wird von Anf├Ąngern getragen, die noch unwissend sind und dem Taekwondo offen und wissbegierig gegen├╝berstehen.
* Der gelbe G├╝rtel steht f├╝r fruchtbaren Erdboden, auf dem Wissen und K├Ânnen gedeihen sollen.
* Der gr├╝ne G├╝rtel symbolisiert die ersten Spr├Âsslinge und Fr├╝chte, Zeichen daf├╝r, dass sich die Trainingsanstrengungen gelohnt haben und etwas im Sch├╝ler heranreift.
* Der blaue G├╝rtel steht f├╝r den Himmel und somit sinnbildlich f├╝r eine Grenze. Der Sch├╝ler muss nun zeigen, dass er in der Lage ist, H├Âheres anzustreben und auch zu erreichen.
* Der rote G├╝rtel repr├Ąsentiert eine Signalfarbe, eine Warnfarbe. Der Sch├╝ler steht kurz davor, Meister zu werden, und wird angehalten, sich noch intensiver und ausdauernder mit dem Taekwondo zu besch├Ąftigen. Einige Schulen verwenden den braunen G├╝rtel an Stelle des roten G├╝rtels. Braun symbolisiert die Borke des Baumstammes, was bedeutet, dass die Techniken sich bereits gefestigt haben und der Sch├╝ler kurz davor steht, Meister zu werden.
* Schwarz und auch der „Schwarze G├╝rtel“ ist die Farbe der Meister und nur diesen vorbehalten. Schwarz vereinigt alle anderen Farben in sich und ist somit die st├Ąrkste aller Farben. Schwarz soll auch die Autorit├Ąt, das Wissen und die Erfahrung der Meister symbolisieren. Daher d├╝rfen auch nur Dan-Tr├Ąger Doboks mit einem schwarzen Revers tragen, so wie generell alle Verzierungen am Trainingsanzug in Schwarz nur den Meistern zustehen.

Jacke und Hose

Die Jacke soll das Ges├Ą├č bedecken, ihre ├ärmel reichen mindestens ├╝ber den halben Unterarm, h├Âchstens bis zu den Handgelenken. Schwarzer Rand und schwarzes Revers sind nur f├╝r Dantr├Ąger zul├Ąssig. W├Ąhrend der Dobok im traditionellen Taekwon-Do ├Ąhnlich wie im Judo und Karate um den K├Ârper „gewickelt“ wird, ist sie in den wettkampforientierten Varianten auf der Vorderseite geschlossen.

Die Hose ist so gearbeitet, dass ein seitlicher Spagat m├Âglich ist. Sie reicht mindestens bis zur halben Wade.

An Jacke und/oder Hose k├Ânnen auch Verbandsabzeichen und Aufdrucke angebracht werden; das regeln die Bekleidungsordnungen der jeweiligen Verb├Ąnde und Schulen.

F├╝r die erste Schnupperstunde reicht normale Sportbekleidung, sie sollte aber strapazierf├Ąhig sein und hohe Beinschw├╝nge zulassen. Wenn man ernsthaft trainieren will, sollte man sich einen Dobok anschaffen.

G├╝rtel und Graduierungssystem

Erw├Ąhnt werden soll hier als Erstes, dass die Erkennung des Ranges nicht der Hauptgrund ist, dass beim Taekwondo G├╝rtel getragen werden. Viel wichtiger ist, dass 3 Fingerbreiten unter dem Bauchnabel das oft in der asiatischen Philosophie genannte Zentrum liegt, dass f├╝r die Entstehung der Lebenskraft (Chi) verantwortlich ist.

An der richtigen Stelle und mit richtigem Druck gebunden erm├Âglicht es der G├╝rtel, nahezu den gesamten K├Ârper blitzartig anzuspannen, um zum Beispiel einen Tritt gezielt auszuf├╝hren oder um einen Treffer ÔÇ×einzusteckenÔÇť. Dieses Ph├Ąnomen kann man auch bei Gewichthebern beobachten, die den Kraftg├╝rtel nicht am Bauch tragen, sondern drei Fingerbreiten unter dem Bauchnabel.

Die Graduierungs- beziehungsweise G├╝rtelsysteme der Kampfsportarten sind erst im 19. Jahrhundert entstanden und wurden erstmals vom Jigoro Kano dem Begr├╝nder des Judo eingef├╝hrt. Aber auch schon in historischen Zeiten zeigten unterschiedliche Kleider- und G├╝rtelfarben verschiedene R├Ąnge in der h├Âfischen Hierarchie an (sowohl in Asien als auch in Europa).

Zu Beginn des modernen Taekwondo gab es nur vier G├╝rtelfarben: wei├č, blau, rot und schwarz, die Farben der Koreanischen Flagge. Diese wurden mittlerweile erg├Ąnzt durch gelb, gr├╝n und braun. Das moderne Graduierungssystem dient vor allem dazu, den Trainings- und Wissensstand zu repr├Ąsentieren. Die Aufstellung beim Taekwondo-Training wird aus praktischen Gr├╝nden im Block nach G├╝rtelfarben geordnet vorgenommen: rechts vorne steht der h├Âchstgraduierte, links hinten der niedrigste Grad.

Die G├╝rtelgrade sind unterteilt in Sch├╝lerklasse (Kup, Z├Ąhlung abw├Ąrts) und Meisterklasse (Dan bzw Pum (WTF; nur 1.-3.) bei unter 15-J├Ąhrigen, Z├Ąhlung aufw├Ąrts).
Zwei Tr├Ąger eines Schwarzg├╝rtels bei einer Demonstration
Zwei Tr├Ąger eines Schwarzg├╝rtels bei einer Demonstration
Bezeichnung G├╝rtelfarbe
10. Kup wei├č (Neueinsteiger)
9. Kup wei├č oder wei├č-gelb
8. Kup gelb
7. Kup gelb oder gelb-gr├╝n
6. Kup gr├╝n
5. Kup gr├╝n oder gr├╝n-blau
4. Kup blau
3. Kup blau oder blau-rot beziehungsweise blau-braun
2. Kup rot bzw. braun
1. Kup rot bzw. braun oder rot-schwarz / braun-schwarz
1. bis 9. Dan schwarz (bei Kindern 1. bis 4. Pum, rot-schwarz l├Ąngsgestreift)
10. Dan schwarz (wird vom Kukkiwon ehrenhalber verliehen, zur Zeit gibt es 5 Tr├Ąger des 10. Dan WTF)

G├╝rtelpr├╝fungen finden meist nach festgelegten Schemata (Pr├╝fungsordnung) statt und werden von Meistergraden abgenommen. Sie beinhalten Theoriewissen, Formenlauf und Demonstration von Techniken (abgesprochener Kampf, Freikampf, Bruchtests).

Verhalten als Taekwondo-Sportler

Taekwondo hat gewaltiges Potenzial, mit einer kleinen Unaufmerksamkeit kann man sich und andere verletzen. Der Lehrer ist f├╝r den geordneten Ablauf der ├ťbungsstunde verantwortlich. Er kann aber nicht f├╝r lauter Einzelpersonen sorgen, die sich nicht an die Regeln halten. Deshalb m├╝ssen den Anweisungen des Lehrers unbedingt Folge geleistet werden, dazu geh├Ârt auch, dass man dem Lehrer seine volle Aufmerksamkeit schenkt.

Regeln

Je nach Stilrichtung, Schule oder Gro├čmeister gibt es unterschiedlich strikte, strenge oder verbindliche Anspr├╝che und Anforderungen an das Benehmen oder das Verhalten der Taekwondoins w├Ąhrend einer Trainingseinheit. Je traditioneller Taekwondo ausge├╝bt wird, desto strenger sind diese Regeln gefasst und desto genauer wird auch auf ihre Einhaltung geachtet. Einige Regeln gelten jedoch grunds├Ątzlich f├╝r das Taekwondo und werden nachfolgend aufgelistet:

* Zum Training erscheint man p├╝nktlich und in sauberer Sportkleidung (Dobok). H├Ąnde und F├╝├če sind gewaschen, Finger- und Fu├čn├Ągel sind kurz gehalten, um Verletzungen vorzubeugen.
* W├Ąhrend einer Trainingseinheit darf nicht getrunken oder gegessen werden. Kaugummi kauen oder eine Rauchpause sind ebenfalls nicht gestattet. Die gesamte Aufmerksamkeit soll dem Lehrer beziehungsweise dem ├ťbungspartner gewidmet sein.
* W├Ąhrend einer Trainingseinheit sollte der Trainingsbereich m├Âglichst nicht verlassen werden. Auf die Toilette sollte man vor Beginn des Trainings gehen. In dringenden F├Ąllen meldet man sich beim Lehrer ab, doch sollte bedacht werden, dass jede Unterbrechung den Unterricht insgesamt st├Ârt, den eigenen K├Ârper wieder ausk├╝hlen l├Ąsst und somit Verletzungsgefahr birgt. Au├čerdem k├Ânnen so Dreck, Steinchen oder Splitter aus dem Gangbereich auf die Trainingsfl├Ąche gebracht werden, was ebenfalls zu Problemen f├╝hren kann, da viele barfu├č trainieren.
* Bevor das Training beginnt, stellen sich die Sch├╝ler vor dem Meister in einer fest vorgegebenen Reihenfolge gem├Ą├č ihrer Graduierung auf. Der h├Âchste Grad steht dabei immer vorne rechts.
* Das Training beginnt, wenn der Lehrer den Befehl zur Aufstellung gibt. ├ťblicherweise wird der Trainer vom ersten Sch├╝ler (vorne rechts) auf koreanisch gegr├╝├čt, dann verbeugt sich die Gruppe zum Lehrer und der Lehrer zur Gruppe hin. Einige Schulen legen Wert darauf, dass beim Begr├╝├čungszeremoniell zus├Ątzlich die Fahne Koreas gegr├╝├čt wird.
* Beim Training darf nicht geschwatzt oder laut gelacht werden. Die Kommandos des Lehrers m├╝ssen jederzeit verstanden werden k├Ânnen und m├╝ssen auch befolgt werden.
* Nur der Lehrer oder hohe Graduierungen d├╝rfen anderen Sch├╝lern Techniken beibringen oder die Sch├╝ler korrigieren. Damit wird sichergestellt, dass die Techniken richtig gelernt werden und sich keine Unsauberkeiten einschleichen. Dies gilt besonders f├╝r den Formenlauf, da sich sonst schnell falsche Bewegungsabl├Ąufe verbreiten k├Ânnen.
* Angriffe gegeneinander, Bruchtests, ├ťbungen mit Waffen (z. B. bei Selbstverteidigung) oder andere schwierige ├ťbungen d├╝rfen nur nach ausdr├╝cklicher Genehmigung des Lehrers unter dessen Beobachtung durchgef├╝hrt werden. Ansonsten ist die Verletzungsgefahr zu gro├č.
* Befiehlt der Lehrer ├ťbungsabbruch (Kommando Geuman oder Baro oder Gallyeo), m├╝ssen alle ├ťbungen sofort beendet werden.

Zeremoniell und Respekt

Respekt und Formwahrung ist gerade in Asien selbstverst├Ąndlicher Inhalt des t├Ąglichen Lebens. So auch beim Taekwondo.

Ein hervorstechendes Merkmal dieses Zeremoniells ist das Verneigen: Mit der Verneigung wird nicht nur Respekt vor dem Lehrer und dem ├ťbungspartner ausgedr├╝ckt, sie dient vor allem der Sammlung und Konzentration. Sie sollte bewusst geschehen, denn sie zeigt an, dass man sich auf die bevorstehende Aufgabe konzentriert. Konzentration ist ein wesentliches Element im Taekwondo, sie erm├Âglicht komplexe Bewegungsabl├Ąufe und stellt sicher, dass der Partner nicht versehentlich verletzt wird.

Mit dem Gru├č best├Ątigt man, dass man die Alltagssorgen abstreift, sich auf die bevorstehende ├ťbung konzentriert. Es signalisiert dem Partner, dass man ihn als Person respektiert und darauf achten wird, fair und ohne Gefahr mit ihm zu ├╝ben.

„Der Edle verneigt sich, aber beugt sich nicht.“ (Konfuzius)

Man verneigt sich in der Regel

* beim Betreten und Verlassen des ├ťbungsraums: Damit ├╝bertritt man ganz bewusst auch geistig die Schwelle vom Alltag zum Training und umgekehrt. Wenn Landesfahnen aufgeh├Ąngt sind (z. B. bei Pr├╝fungen die koreanische neben der nationalen) begr├╝├čt man auch die Fahnen, um dem Ursprungs- und Gastgeberland Respekt zu zeigen.
* zu Beginn und Ende der ├ťbungsstunde: Sch├╝ler und Lehrer bekunden gegenseitigen Respekt und versichern sich ihrer Konzentration auf die ├ťbungen.
* vor und nach Partner├╝bungen: Damit signalisieren sich die Partner, dass sie alle Aufmerksamkeit in die Aus├╝bung der Technik legen, so dass der Partner nicht gef├Ąhrdet wird.
* vor und nach einem Bruchtest: Taekwondo ist zur Verteidigung gedacht und nicht zum Zerst├Âren. Da beim Bruchtest etwas zerst├Ârt werden soll (zum Beispiel ein Holzbrett), fragt der ├ťbende mit der Verneigung gegen├╝ber dem Lehrer oder Pr├╝fer um Erlaubnis nach, ausnahmsweise etwas zerst├Âren zu d├╝rfen.

Die Verneigung wird meist mit dem Kommando Cha-ryeot (Achtung!) vorbereitet. Die F├╝├če sind nebeneinander im Moa Seogi, F├Ąuste am gestreckten Arm leicht neben dem K├Ârper, Gegen├╝ber ansehen. In einer erneuerten Fassung der Geste, die vom WTF abgesegnet wurde, werden die H├Ąnden auf die H├╝fte gelegt und h├Ąngen nicht mehr seitlich am K├Ârper. Es steht den Schulen aber frei zu w├Ąhlen, welche Verbeugungstechnik sie von ihren Sch├╝lern erwarten. Mit dem Kommando Gyeong-nye (gr├╝├čen, verneigen) wird die Geste eingeleitet. Der Oberk├Ârper beugt sich 45┬░ vor, Arme mit den F├Ąusten werden leicht angewinkelt. Auch hier greift die neue Fassung, die H├Ąnde bleiben auf der H├╝fte, w├Ąhrend sich der K├Ârper beugt. Eine Faust ist in diesem Fall nicht mehr angebracht.

„Fremdartiges Zeremoniell“ oder „Sportliche Etikette“?

Kulturelle Einblicke eines Gro├čmeisters

Gro├čmeister Song Chae-Yong berichtete in einem Interview 1987 ├╝ber seine Anf├Ąnge als Taekwondo-Lehrer in M├╝nchen und die Unterschiede der Kulturen (aus „Taekwon-Do im Westen“, M├Ânchseulen-Verlag, 1989):

[…]
So habe ich Taekwon-Do an der Volkshochschule gemacht, im Herbst 1972. Damals habe ich viele Fehler gemacht. Ich wollte original Taekwon-Do zeigen und habe ein hartes Training gemacht. Die Leute konnten das aber nicht durchstehen. Ich wollte Taekwon-Do so weitergeben, wie ich es von meinem Lehrer gelernt hatte, auf die gleiche Art, aber die Leute konnten das nicht vertragen und sind immer wieder weggegangen. Daraufhin habe ich das Training milder gemacht.
[…]
Bei uns ist das etwas anderes gewesen. Disziplin ist sehr hart in Korea und besonders ein Judo- oder Taekwon-Do-Trainer gilt als Respektsperson. Man sagt Sahbum-Nim zu einem Meister in den Budo-Sportarten. Wenn also ein Sahbum-Nim das Training leitet, das ist dann vollkommen akzeptiert, was der macht, niemand kann etwas dagegen sagen. Ich habe mich das hier nicht getraut. In Korea ist Sahbum-Nim ein Begriff, aber nicht in Europa, hier denken die Leute: Ach, das ist ja nur ein Trainer! Damals haben wir in Korea streng mit Meditation das Training angefangen, aber ich habe bef├╝rchtet, dass die Leute hier das nicht wissen, dass sie es komisch finden, einfach so zu sitzen, mit geschlossenen Augen. In Korea durfte man im ├ťbungsraum, im Dojang, nicht sprechen, man durfte nicht einmal die Z├Ąhne zeigen. Man achtete sogar darauf, nicht auf den Schatten des Lehrers zu treten. Ein Lehrer ist f├╝r uns eine absolute Respektsperson. Als ich hier in M├╝nchen an einem Gymnasium ein Praktikum machte f├╝r mein Diplom als Deutschlehrer, da war ich ├╝berrascht von der Atmosph├Ąre des Unterrichts. Das kannte ich nicht. Das waren Sch├╝ler der 9. Klasse und die waren nat├╝rlich sehr frech. Am Schluss der Stunde packten sie einfach ihre Sachen und rannten weg, ohne zu gr├╝├čen. So etwas gibt es in Korea nicht.
[…]
Ein Lehrer ist grunds├Ątzlich eine Respektsperson, also auch ein Sahbum-Nim. Vielleicht hat man aber auch Angst vor ihm, denn er ist ein Do-in, also nicht nur ein charakterlich, sondern auch ein k├Ârperlich geschulter Mann. Man f├╝rchtet ihn also auch ein wenig. F├╝r Japaner, Koreaner, Chinesen ist ein Sahbum-Nim ein Begriff, den die sofort verstehen. ….. Was er sagt, das haben wir ohne Kritik angenommen. Wir h├Ątten nie gewagt „Warum?“ zu sagen.

Zeremoniell im „Westen“

Gerade asiatische Kampfsportarten gelten meist als Inbegriff des Zeremoniellen. Viele Europ├Ąer oder „normale“ Sportler machen sich dar├╝ber lustig oder finden es unangenehm, sehen vielleicht sogar religi├Âse oder sektiererische Hintergr├╝nde.

Neben den praktischen Aspekten (z. B. Verneigung als Signal, sich auf den Partner zu konzentrieren und ihm keine Verletzungen zuzuf├╝gen) gibt es aber auch eine andere interessante Sichtweise: So unbekannt, wie man in Europa immer annimmt, sind H├Âflichkeitsregeln n├Ąmlich gar nicht, wie Beispiele aus typisch europ├Ąischen Sportarten zeigen:

* Beim Reitsport ist das formale Gr├╝├čen des Schiedsgerichts durch den Reiter streng vorgeschrieben und f├╝hrt bei Nichtbeachtung zur Disqualifikation.
* Bei typisch europ├Ąischen Schwertsportarten (zum Beispiel Fechten) wird ebenfalls formal gegr├╝├čt, mit genau festgelegten Abl├Ąufen (zum Beispiel das F├╝hren des Floretts zum Gesichtsschutz).

Der Hang zu mystischen Interpretationen und Bedeutungen mag im asiatischen Kulturraum sehr ausgepr├Ągt sein, jedoch sind auch asiatische Beobachter beeindruckt von der Hingabe (inklusive dem Sammeln von symbolischen Gegenst├Ąnden und Zeichen) der europ├Ąischen Fu├čballfans.

Einschr├Ąnkungen

* Die hohen Beintechniken des Taekwondo k├Ânnen langfristig bei falscher oder zu kurzer Aufw├Ąrmphase und bei falscher Ausf├╝hrung zu H├╝ft- oder Muskelsch├Ąden (Zerrungen, Muskelfaserrisse und Vernarbung des Muskelgewebes) f├╝hren, da schnelle Dehnungen unter Anwendung von Schnellkraft ausgef├╝hrt werden. Grunds├Ątzlich ist Taekwondo jedoch eine sehr gesunde Sportart, insbesondere f├╝r die H├╝fte. Eventuelle k├Ârperliche Beschwerden sollten vor Trainingsbeginn unbedingt mit dem Trainer gekl├Ąrt werden.
* Abh├Ąrten von Haut und Knochen durch entsprechende Ma├čnahmen (Schlagtraining usw.) k├Ânnen auf Dauer schaden, sind jedoch beim Taekwondo weniger ├╝blich.
* So genannte Schnapptritte k├Ânnen zu Verschlei├čerscheinungen der Gelenke (Knie) und Arthrose f├╝hren, wenn sie im Training „voll durchgezogen“ werden, da sich die gesamte Kraft im Gelenk entl├Ądt. Das gleiche gilt f├╝r gerade Schl├Ąge (Ellbogen). Man sollte deshalb darauf achten, Arm und Bein nicht mit ganzer Kraft ganz durchzustrecken, sondern beim Training leicht angewinkelt zu lassen.
* Manche Wettkampftechniken, die mit blo├čem Fu├č getreten werden, w├╝rden in einem Ernstfall mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Bruch des Fu├čgelenkes oder der Zehen f├╝hren, wenn sie nicht sinngem├Ą├č oder sogar falsch ausgef├╝hrt werden. Das gilt nat├╝rlich genau so f├╝r jede andere Kampfkunst.
* Ein Teil der Techniken ist im Selbstverteidigungsfall f├╝r den Anwender risikoreich, da diese Techniken nur aus der durch Regeln gesch├╝tzten, aber eingeschr├Ąnkten Wettkampfsituation ihren Nutzen ziehen. Ein auf sportlich-fairen Wettkampf trainierter Taekwondo-Sportler hat ein eingeschr├Ąnktes Spektrum von erwarteten Angriffsbewegungen, -kombinationen und Verteidigungen eintrainiert (Engrambildung automatisierter komplexer Bewegungsmuster). Er ist gegen├╝ber skrupellosen und kompromisslos davon abweichenden Angriffen eher hilflos, sofern er nicht ebenso derartige Erwartungs- und Bewegungsmuster ausbildet, was f├╝r ihn im Wettkampf wiederum eher hinderlich sein kann. Die trifft jedoch nicht beim traditionelle Taekwondo zu, da hier der Schwerpunkt nicht auf den Wettkampf sondern auf die Verinnerlichung der Kampfkunst gelegt wird.
* Im Ernstfall (Selbstverteidigung) sollte bei der Anwendung einer Beintechnik der erste Tritt sitzen und den Gegner kampfunf├Ąhig machen, denn Tritte sind, wenn sie nicht korrekt ausgef├╝hrt werden, durch den l├Ąngeren Weg langsamer als Armtechniken und ├Âffnen, wenn falsch ausgef├╝hrt, die eigene Deckung. Andererseits sind diese, falls gut trainiert, nat├╝rlich weitaus wirkungsvoller und effektiver (mehr kinetische Energie, l├Ąngere Kampfdistanz, ├ťberraschungseffekt). Ge├╝bte Taekwondo-Sportler k├Ânnen mit sehr schnellen und auch anget├Ąuschten Kicks einen Gegner auch kampfunf├Ąhig machen, falls der erste Kick nicht die gew├╝nschte Wirkung erzielte.

Quelle: wikipedia.de